Fundstück der Woche: Der Belastungswiderstand
Was steckt in einem alten Bosch-Prüfgerät?
Drei gewaltige Widerstandselemente, ein verschiebbarer Kontakt und jede Menge Metall – auf den ersten Blick sieht unser heutiges Fundstück fast wie eine ungewöhnliche Heizkonstruktion aus.
Tatsächlich handelt es sich um einen Belastungswiderstand aus einem historischen Bosch-Prüfgerät.

Auf der dazugehörigen originalen Bosch-Bedienungsanleitung finden sich die Angaben:
BOSCH
Belastungswiderstand
Loading Rheostat
0 681 100 101
EFAW 107 A
Das komplette Bosch-Prüfgerät befindet sich heute allerdings nicht mehr bei uns. Erhalten geblieben ist der Belastungswiderstand selbst – und genau der ist technisch ausgesprochen interessant.
Drei Widerstände, aber wofür?
Der ausgebaute Widerstand gehörte zum Bosch EFAW 107 A und war dafür vorgesehen, bei der Prüfung von Fahrzeug-Generatoren und Ladereglern eine definierte elektrische Belastung bereitzustellen.
Ein Generator kann schließlich nicht sinnvoll beurteilt werden, wenn man ihn nur im unbelasteten Zustand misst.
Man möchte wissen:
Was passiert, wenn er tatsächlich Strom liefern muss?
Genau dafür wurde ein Belastungswiderstand eingesetzt.
Der Generator liefert elektrische Energie, der Belastungswiderstand nimmt sie auf – und wandelt sie dabei größtenteils in Wärme um.
Warum sieht das Ding so gewaltig aus?
Jetzt wird auch der ungewöhnliche Aufbau verständlich.
Auf unseren Fotos sehen wir drei große Widerstandselemente, die jeweils aus vielen einzelnen Windungen bestehen.
Das ist kein Zufall.
Ein Widerstand, der nur ein paar Watt umsetzen muss, kann klein sein. Bei einem Werkstattgerät, das Generatoren mit teilweise sehr hohen Strömen belasten soll, sieht die Sache ganz anders aus.
Bosch gab für den EFAW 107 A Belastungsbereiche bis zu 300 W bei 6-V-Anlagen, 1.200 W bei 12-V-Anlagen und 2.400 W bei 24-V-Anlagen an.
Das erklärt die massive Bauweise ziemlich eindrucksvoll.
2.400 Watt müssen schließlich irgendwo hin – und in diesem Fall werden sie zu Wärme.
Der verschiebbare Kontakt
Besonders interessant ist der lange Metallstab mit dem verschiebbaren Kontakt.

Damit konnte der Belastungswiderstand eingestellt werden.
Je nachdem, an welcher Stelle der Kontakt auf dem Widerstandselement anliegt, wird ein unterschiedlicher Teil des Widerstandsdrahtes genutzt.
Das Prinzip entspricht einem Rheostaten, also einem verstellbaren Leistungswiderstand.
Damit konnte der Werkstatttechniker die gewünschte Belastung einstellen, anstatt für jeden Prüfstrom einen anderen Widerstand verwenden zu müssen.
Ein Blick in die historische Fahrzeugdiagnose
Der Belastungswiderstand war also ein Bestandteil eines größeren Bosch-Prüfsystems.
Die eigentliche Messung erfolgte natürlich mit weiteren Prüfgeräten. Bosch nennt beispielsweise passende Volt-Ampère-Prüfer wie den EFAW 120 A oder EFAW 167.
Das Prinzip war denkbar praktisch:
Generator belasten → Strom messen → Spannung messen → Werte beurteilen
Damit konnte eine Werkstatt feststellen, ob Generator und Regler unter den vorgesehenen Bedingungen korrekt arbeiteten.
Heute würde man dafür möglicherweise ein elektronisches Diagnosegerät verwenden.
Damals brauchte man dafür unter anderem einen ziemlich beeindruckenden Haufen Widerstandsdraht. 😉
6, 12 oder 24 Volt – ein Gerät für verschiedene Systeme
Besonders schön zeigt die Bosch-Unterlage, dass der Belastungswiderstand nicht nur für eine einzige Fahrzeugspannung gedacht war.
Der EFAW 107 A konnte für verschiedene elektrische Systeme eingesetzt werden.
Bosch nennt unter anderem Prüfungen im Bereich von:
- 6/7 Volt
- 12/14 Volt
- 24/28 Volt
Dass beispielsweise bei einem „12-Volt-System“ mit ungefähr 14 Volt geprüft wird, ist dabei kein Widerspruch. Bei laufendem Motor liegt die Spannung des Bordnetzes beziehungsweise des Generators über der reinen Nennspannung der Batterie.
Genau solche Details machen historische Werkstattunterlagen heute so interessant.
Was wir heute noch von dem Gerät sehen können
Auch wenn das eigentliche Bosch-Prüfgerät fehlt, lässt sich an unserem Fundstück noch sehr viel erkennen.
Die drei großen Widerstandskörper zeigen, welche Leistung das Bauteil verkraften musste.
Die zahlreichen Windungen zeigen den eigentlichen Widerstandsdraht.
Der verschiebbare Kontakt zeigt, dass die Belastung einstellbar war.
Und die massiven Anschlüsse machen deutlich, dass hier mit erheblichen Strömen gearbeitet wurde.
Das ist eigentlich das Schöne an solchen historischen Bauteilen:
Man muss nicht unbedingt das komplette Gerät besitzen, um seine Funktion nachvollziehen zu können.
Manchmal reicht schon ein einzelnes ausgebautes Teil – zusammen mit einer alten Bedienungsanleitung.
Ein Stück Bosch-Werkstattgeschichte
Die originale Anleitung macht aus unserem Fundstück etwas Besonderes.
Ohne sie wären es zunächst einfach drei große alte Widerstandselemente.
Mit der Anleitung wissen wir:
Das Teil gehörte zum Bosch EFAW 107 A.
Und wir wissen auch, warum es dort eingebaut wurde.
Der Belastungswiderstand war kein gewöhnlicher Bauteilwiderstand, sondern ein leistungsfähiges Prüfwerkzeug für die Fahrzeug-Elektrik.
Bosch führte den EFAW 107 A als historische Werkstattausrüstung und dokumentiert damit heute noch einen kleinen Ausschnitt aus der Entwicklung der Fahrzeugdiagnose.
Vom Generator zur Heizung – unfreiwillig
Das vielleicht schönste Detail an diesem Fundstück ist eigentlich die einfache Physik dahinter.
Der Generator erzeugt elektrische Energie.
Der Widerstand nimmt diese Energie auf.
Und am Ende wird daraus hauptsächlich:
Wärme.
Bei einer Belastung von bis zu 2.400 Watt hätte man damit vermutlich problemlos einen kleinen Raum mitheizen können. 😄
Natürlich war das nicht seine Aufgabe.
Aber es erklärt sehr anschaulich, warum Bosch hier nicht einfach einen kleinen Drahtwiderstand eingebaut hat.
Unser Fundstück
Was wir heute zeigen können, ist also nicht das komplette Bosch-Prüfgerät, sondern der darin verbaute Belastungswiderstand.
Gerade dadurch bekommt das Fundstück seinen besonderen Reiz.
Ein ausgebautes Bauteil, eine originale Bedienungsanleitung und ein bisschen Recherche – und schon lässt sich die Geschichte eines längst vergangenen Werkstattgerätes wieder zusammensetzen.
Drei große Widerstandselemente, ein verschiebbarer Kontakt und eine ziemlich spannende Aufgabe: Fahrzeug-Generatoren unter kontrollierter Last prüfen.
So sieht historische Werkstatttechnik aus. 🔧⚡