Fundstück der Woche: Der McFun Multicolor-Neon-Leuchtstab

Fundstück der Woche: Der McFun Multicolor-Neon-Leuchtstab

Wenn Strom plötzlich sichtbar wird

Es gibt Elektronik, die sieht auf den ersten Blick nach einfachem Auto-Tuning-Zubehör aus. Und dann gibt es Elektronik, bei der man genauer hinschauen sollte.

Unser heutiges Fundstück der Woche gehört definitiv zur zweiten Kategorie. 😉

Der McFun Multicolor Neon-Leuchtstab „Multicolor 1“, Artikel 755-037, stammt aus der Welt des Auto-Tunings und wird mit 12 Volt Gleichspannung über den Zigarettenanzünder betrieben. Gedacht war er unter anderem für Showcars, Oldtimer, Youngtimer, Car-HiFi oder einfach für etwas außergewöhnliche Innenraumbeleuchtung. 

Aber was passiert eigentlich im Inneren dieser leuchtenden Röhre?

⚡ 12 Volt hinein – aber innen wird es deutlich spannender

Der Leuchtstab wird zwar ganz bequem mit den 12 Volt des Fahrzeugbordnetzes betrieben, die eigentliche Leuchtröhre benötigt jedoch eine wesentlich höhere Spannung.

Dafür befindet sich im Anschlussbereich eine elektronische Schaltung, die aus der niedrigen Gleichspannung eine hochfrequente Wechselspannung mit deutlich höherer Spannung erzeugt.

Das Prinzip kennt man auch von Kaltkathodenröhren und anderen Gasentladungslampen: In der mit Gas gefüllten Röhre sorgt ein elektrisches Feld dafür, dass Ladungsträger beschleunigt werden. Die Elektronen stoßen mit Gasatomen zusammen, regen diese an und bringen sie schließlich zum Leuchten.

Das Faszinierende daran: Das Licht entsteht also nicht durch einen Glühdraht und auch nicht einfach durch eine LED.

Hier bringt eine Gasentladung die Röhre zum Leuchten.

Und warum wechselt die Farbe?

Genau hier wird es bei diesem Modell besonders interessant.

Der McFun-Leuchtstab ist als Multicolor-Version ausgeführt. Die Farben verändern sich während des Betriebs fließend. Das ist kein mechanisches Farbfilter, das vor der Röhre hin- und hergeschoben wird.

Die Farberscheinung hängt vielmehr mit der Ansteuerung der Leuchtröhre und den dabei entstehenden Entladungsbedingungen zusammen.

Bei Gasentladungen spielen unter anderem Spannung, Strom, Frequenz und die Zusammensetzung des Füllgases eine Rolle. Unterschiedliche Anregungszustände können unterschiedliche Farbeindrücke erzeugen.

Und genau deshalb ist dieses kleine Auto-Tuning-Teil technisch wesentlich spannender, als es zunächst aussieht.

👆 Und dann kommt der Finger ins Spiel …

Jetzt kommt der Teil, den wir unbedingt ausprobieren mussten.

Wenn man während des Betriebs mit dem Finger an die Röhre kommt, verändert sich das sichtbare Leuchtbild.

Im Video kann man beobachten, wie sich die Leuchterscheinung in der Nähe des Fingers verändert und die Lichtstruktur regelrecht „wandert“.

⚡ Der Finger-Effekt – jetzt wird es spannend!

Was passiert eigentlich, wenn man dem Neon-Leuchtstab mit dem Finger näher kommt? Die Lichtbögen verändern sichtbar ihren Abstand – ein faszinierender Effekt der kapazitiven Kopplung.

Warum?

Weil unser Körper elektrisch nicht einfach „unsichtbar“ ist. Durch die kapazitive Kopplung zwischen Körper, Röhre und Umgebung verändert sich das elektrische Feld in der Nähe der Röhre.

Bei einer Gasentladung kann bereits eine solche Veränderung der elektrischen Bedingungen beeinflussen, wo und wie stark die Entladung sichtbar wird.

Der Finger wird dabei also gewissermaßen Teil des elektrischen Systems – nicht als klassischer Leiter, sondern vor allem über seine kapazitive Wirkung.

Und genau deshalb ist das Experiment so schön: Man kann eine eigentlich unsichtbare elektrische Wechselwirkung direkt als Licht beobachten.

Ein kleines Physik-Experiment aus dem Auto-Tuning-Regal

Das ist für mich das Schöne an solchen alten Elektronik-Fundstücken.

Auf der Verpackung steht zunächst nur etwas von „Multicolor Neon-Leuchtstab – 12 V“.

Aber dahinter stecken gleich mehrere interessante technische Prinzipien:

🔹 12-V-Gleichspannung aus dem Fahrzeug
🔹 elektronische Hochspannungserzeugung
🔹 hochfrequente Wechselspannung
🔹 Gasentladung
🔹 Anregung von Gasatomen
🔹 kapazitive Kopplung
🔹 sichtbare Veränderung des elektrischen Feldes

Und plötzlich wird aus einem vermeintlich einfachen Tuning-Accessoire ein kleines Physik-Experiment zum Anfassen.

Natürlich sollte man dabei nicht vergessen: Die Röhre selbst arbeitet mit deutlich höheren Spannungen als den 12 Volt am Eingang. Solche Geräte sollte man deshalb nicht öffnen oder an der Hochspannung experimentieren. Die interessanten Effekte lassen sich schließlich auch von außen beobachten. 😉

Ein Stück Tuning-Geschichte

Der McFun Multicolor Neon-Leuchtstab steht außerdem für eine Zeit, in der man seinem Auto noch mit relativ einfachen elektronischen Mitteln einen ganz persönlichen Look verpassen konnte.

Heute würde man viele dieser Effekte vermutlich mit LEDs und Mikrocontrollern realisieren.

Damals war eine leuchtende Gasröhre mit Farbwechsel dagegen schon ziemlich spektakulär.

Und genau deshalb passt dieses Teil perfekt in unsere Reihe „Fundstück der Woche“:

Alte Technik, die nicht nur funktioniert – sondern uns auch heute noch etwas über Elektronik und Physik zeigen kann. ⚡🌈

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