Fundstück der Woche: Der Reedkontakt – Der unsichtbare Schalter mit Magnetkraft
Es gibt Bauteile, die kaum größer als ein Streichholz sind und trotzdem seit Jahrzehnten zuverlässig ihren Dienst verrichten. Einer dieser kleinen Helfer ist der Reedkontakt.

Auf den ersten Blick wirkt er unscheinbar: Ein kleines Glasröhrchen mit zwei dünnen Metallzungen im Inneren. Doch hinter diesem einfachen Aufbau steckt eine clevere Technik, die bis heute in vielen Geräten eingesetzt wird.
Wie funktioniert ein Reedkontakt?
Der Reedkontakt besteht aus zwei ferromagnetischen Kontaktzungen, die luftdicht in einem Glasröhrchen eingeschmolzen sind.
Solange sich kein Magnet in der Nähe befindet, bleiben die Kontakte geöffnet. Nähert sich jedoch ein Magnet, werden die Kontaktzungen magnetisiert und ziehen sich gegenseitig an. Dadurch schließen sie den Stromkreis.
Entfernt sich der Magnet wieder, öffnen sich die Kontakte erneut.
Das Besondere dabei: Es ist keinerlei mechanische Betätigung notwendig. Der Schalter arbeitet ausschließlich durch das Magnetfeld.
Warum steckt der Reedkontakt in einem Glasröhrchen?
Das Glasgehäuse schützt die empfindlichen Kontakte vor:
Feuchtigkeit
Staub
Korrosion
Oxidation
Dadurch erreichen Reedkontakte eine erstaunlich hohe Lebensdauer und arbeiten oft über viele Millionen Schaltvorgänge zuverlässig.
Wo werden Reedkontakte eingesetzt?
Obwohl dieses Bauteil bereits seit vielen Jahrzehnten existiert, findet man es heute noch in zahlreichen Anwendungen:
Alarmanlagen
Fenster- und Türüberwachung
Fahrradcomputer
Schwimmerschalter
Füllstandsmessungen
Industrieanlagen
Medizintechnik
Modellbau
Hausautomation
Gerade dort, wo ein berührungsloses und verschleißarmes Schalten erforderlich ist, spielen Reedkontakte ihre Stärken aus.
Reedrelais – Wenn der Reedkontakt Verstärkung bekommt
Auf unseren Bildern ist nicht nur ein einzelner Reedkontakt zu sehen.

Ebenfalls abgebildet sind verschiedene Reedrelais. Dabei handelt es sich um Relais, in deren Innerem ein Reedkontakt verbaut ist.
Wird die Spule des Relais bestromt, erzeugt sie ein Magnetfeld. Dieses schließt den Reedkontakt im Inneren und ermöglicht so das Schalten elektrischer Signale.
Reedrelais zeichnen sich durch folgende Eigenschaften aus:
sehr schnelle Schaltzeiten
geringe Kontaktwiderstände
hohe Zuverlässigkeit
lange Lebensdauer
besonders geeignet für kleine Ströme und empfindliche Messsignale
Vor allem in der Mess-, Prüf- und Nachrichtentechnik waren sie über viele Jahre unverzichtbar.

Reedkontakte im eingebauten Zustand.
Warum faszinieren uns solche Bauteile?
Im heutigen Zeitalter moderner Halbleitertechnik geraten klassische elektromechanische Bauteile oft in Vergessenheit.
Der Reedkontakt zeigt jedoch eindrucksvoll, dass manchmal die einfachsten Ideen die langlebigsten Lösungen sind. Ohne Mikrocontroller, Software oder Sensorchip erfüllt er seine Aufgabe zuverlässig – allein durch die Kraft eines Magnetfeldes.
Gerade deshalb gehören solche Bauteile für uns zu den spannendsten Fundstücken in unserem Lager.
Fazit
Der Reedkontakt beweist, dass große Technik nicht immer groß sein muss. Seit Jahrzehnten sorgt dieses winzige Bauteil dafür, dass Türen überwacht, Füllstände gemessen oder elektrische Signale sicher geschaltet werden.
Auch heute hat diese bewährte Technik nichts von ihrer Faszination verloren und findet noch immer ihren Platz in zahlreichen Anwendungen.
Vielleicht steckt auch in Ihrem nächsten Projekt genau dieser kleine Schalter mit großer Wirkung.
🔎 Fundstück der Woche bei dieUnikatze Elektronik
In unserem Lager entdecken wir regelmäßig spannende elektronische Bauteile aus vergangenen Jahrzehnten. Ob Relais, Halbleiter, Messgeräte oder andere technische Raritäten – jeden Donnerstag stellen wir ein besonderes Fundstück vor und erzählen die Geschichte dahinter.