Geschichten aus der Tüftlerwerkstatt: Wenn das Rolltor nicht mehr zu will
Manchmal kommen die spannendsten Reparaturfälle nicht als großes, kompliziertes Gerät zu uns, sondern in Form einer Platine.
So auch dieses Mal: Ein Kunde stand mit der Steuerplatine eines Rolltors bei uns. Sein Problem war schnell beschrieben – Das Tor ging auf, aber nicht mehr zu.
Erst einmal die naheliegenden Ursachen prüfen
Bevor man eine Platine auseinandernehmen oder Bauteile verdächtigen lässt, schaut man natürlich zuerst nach den Dingen, die einen solchen Fehler ganz einfach verursachen können.
Bei einem Rolltor gehören dazu insbesondere die Sicherheitsschranken und Sicherheitssensoren. Wenn dort beispielsweise Verschmutzungen, Fremdkörper oder ein anderer Fehler erkannt werden, kann die Steuerung davon ausgehen, dass sich noch etwas im Fahrbereich des Tores befindet. Ein Schließen wäre dann aus Sicherheitsgründen gar nicht vorgesehen.
Auch die Zuleitungskabel sollten auf Beschädigungen überprüft werden.
Wir gaben dem Kunden daher zunächst genau diese Hinweise mit auf den Weg. Er nahm die Platine wieder mit und überprüfte Sensoren und Leitungen.
Kurze Zeit später stand er wieder bei uns.
Die Sensoren seien in Ordnung, die Kabel ebenfalls – aber das Tor wollte trotzdem nicht schließen.
Seine Vermutung:
„Das Relais ist kaputt.“
Nun war natürlich unsere Neugier geweckt. 😉
Jetzt wurde gemessen
Also kam die Steuerplatine bei uns auf den Tisch.
Bei der ersten Sichtprüfung konnten wir bereits einige mögliche Fehlerquellen ausschließen. Ein Kondensator war nicht die Ursache und auch das Relais wollten wir zunächst einmal bewusst außen vor lassen.
Denn bei einer Reparatur gilt: Nicht einfach das Bauteil tauschen, das am verdächtigsten aussieht. Erst messen, dann entscheiden.
Also wurde die Platine genauer untersucht und die entsprechenden Schaltungsteile Schritt für Schritt durchgemessen.
Und tatsächlich deutete immer mehr darauf hin, dass der Fehler nicht beim Relais selbst lag, sondern in der Ansteuerung.

Unsere Suche führte schließlich zu einem kleinen SMD-Halbleiter: dem ULN2003A.
Ein unscheinbares Bauteil – aber wenn es an der richtigen Stelle in einer Steuerung sitzt, kann ein Defekt darin durchaus dafür sorgen, dass eine Funktion des gesamten Gerätes ausfällt.
Ein kleines Bauteil mit großer Wirkung
Der ULN2003A wurde bestellt und anschließend auf der Platine ausgetauscht.
Danach folgte natürlich die Nachprüfung.
Und siehe da:
Die Prüfung war positiv.
Der Fehler war gefunden und die Steuerung konnte wieder zurück zum Kunden.
Dieser baute die Platine wieder in sein Rolltor ein – und einige Tage später stand er erneut bei uns.
Allerdings diesmal nicht mit derselben Platine.
Runde zwei
Offenbar hatte der Kunde noch ein zweites Rolltor. Und auch dort machte die Steuerung Probleme.
Also kam kurzerhand die nächste Platine auf unseren Reparaturtisch.
Die Fehlersuche begann wieder von vorne. Denn nur weil eine Platine ähnlich aussieht und aus demselben Einsatzgebiet kommt, muss der Fehler schließlich nicht derselbe sein.
Und tatsächlich:
Diesmal war es nicht der ULN2003A.
Bei dieser Steuerung hatte ein Triac seinen Dienst quittiert.
Also wieder messen, Fehler eingrenzen, Bauteil tauschen, anschließend prüfen – und auch diese Platine konnte wieder repariert werden.
Und was lernen wir daraus?
Zwei Platinen, zwei Fehler und zwei unterschiedliche defekte Bauteile.
Genau das macht solche Reparaturen für uns so spannend. Von außen sieht das Fehlerbild zunächst ganz ähnlich aus: Das Rolltor funktioniert nicht richtig.
Die eigentliche Ursache kann aber an völlig unterschiedlichen Stellen der Elektronik liegen.
Und genau deshalb ist es manchmal besser, nicht sofort das vermeintlich schuldige Relais auszutauschen, sondern sich die Schaltung genauer anzusehen und systematisch zu messen.
Denn manchmal ist es eben nicht das große, auffällige Bauteil.
Manchmal ist es ein kleines SMD-IC, das auf der Platine zwischen unzähligen anderen Bauteilen beinahe unscheinbar wirkt.
Und manchmal ist es ein Triac.
Mal schauen, welche Platine als Nächstes auf unserem Reparaturtisch landet. 😉
Denn eines ist sicher:
In der Tüftlerwerkstatt wird es selten langweilig.