UNI 11e – Elektronischer Vielfachmesser aus der DDR
UNI 11e – Als Messen noch Handarbeit war
Ein Fundstück aus der DDR-Messtechnik

Manchmal sind es nicht die Geräte selbst, die Geschichten erzählen. Manchmal reicht schon eine vergilbte Bedienungsanleitung.
Beim Sortieren unseres Werkstattarchivs fiel uns die originale Bedienungsanleitung des Elektronischen Vielfachmessers UNI 11e in die Hände. Herausgegeben vom VEB Meßtechnik Mellenbach, komplett mit Garantieschein, technischen Daten und sogar dem originalen Prüfvermerk der Endkontrolle.
Und plötzlich hält man nicht einfach nur Papier in den Händen – sondern ein kleines Stück Technikgeschichte.
Ein Messgerät aus dem Thüringer Wald
Die Anleitung stammt vom VEB Meßtechnik Mellenbach-Glasbach, einem Betrieb des VEB Kombinat Elektro-Apparate-Werke.
Bereits die Titelseite vermittelt den Charme einer vergangenen Epoche. Fernsprecher- und Fernschreibernummern, Kombinatsbezeichnungen und die typische Gestaltung der DDR-Technikdokumentation versetzen einen direkt zurück in die Zeit, als Reparieren noch selbstverständlich war.
Der UNI 11e war kein Spielzeug für Hobbybastler, sondern ein ernstzunehmendes Messgerät für Werkstätten, Ausbildungsbetriebe und technische Einrichtungen.
Mehr als nur Spannung messen

Ein Blick ins Inhaltsverzeichnis zeigt schnell, dass der UNI 11e weit mehr konnte als ein einfacher Spannungsprüfer.
Neben Gleich- und Wechselspannungen konnten unter anderem gemessen werden:
- Strom
- Widerstand
- Verstärkung
- Dämpfung
- Signale als Nullindikator
Für viele Anwendungen in Werkstatt, Labor und Ausbildung war das ein erstaunlich vielseitiges Gerät.
So sah der UNI 11e aus

Die originale Gerätezeichnung zeigt den Aufbau des Messgeräts.
Auf der linken Seite befanden sich die Bedienelemente und Messbereichswähler, während die rechte Seite vom analogen Zeigerinstrument dominiert wurde.
Heute wirken solche Geräte fast nostalgisch. Damals waren sie präzise Arbeitsmittel für Elektriker, Funktechniker und Messtechniker.
Besonders interessant ist, dass das Gerät bereits einen elektronischen Verstärker nutzte und dadurch deutlich empfindlicher messen konnte als viele klassische Zeigermessgeräte.
Beeindruckende technische Daten


Die technischen Daten zeigen, dass der UNI 11e für seine Zeit durchaus leistungsfähig war.
Messbereiche
- 50 Messbereiche
- Spannungen bis 1000 Volt
- Ströme bis 1 Ampere
- Widerstände bis 10 Megaohm
Frequenzbereiche
Je nach Messbereich waren Messungen bis in den Kilohertz-Bereich möglich.
Zubehör
Besonders spannend: Für das Gerät waren zusätzliche Messaufsätze vorgesehen.
So konnte der Messbereich erweitert werden für:
- Hochspannungen bis 30.000 Volt
- Ströme bis 30 Ampere
- Hochfrequenzmessungen bis 100 MHz
Für ein tragbares Messgerät der damaligen Zeit war das durchaus beeindruckend.
Wartung nach DDR-Art

Ein Abschnitt der Anleitung beschäftigt sich ausführlich mit Wartung und Lagerung.
Das wirkt heute fast ungewöhnlich.
Während moderne Geräte oft als Wegwerfprodukte betrachtet werden, ging man damals selbstverständlich davon aus, dass ein Messgerät viele Jahre oder sogar Jahrzehnte genutzt wird.
Der Batteriewechsel wird genau beschrieben, ebenso die richtige Lagerung und der Schutz vor Feuchtigkeit, Staub und Beschädigungen.
Der Garantieschein erzählt seine eigene Geschichte

Besonders faszinierend fanden wir den originalen Garantieschein.
Dort findet sich ein Prüfvermerk der Endkontrolle sowie das Lieferdatum:
30. Juni 1980
Fast 45 Jahre später liegt dieses Dokument noch immer vor uns.
Solche Stempel und Vermerke machen Technikgeschichte greifbar. Hinter jedem Gerät standen Menschen – Konstrukteure, Monteure, Prüfer und Anwender.
Genau diese kleinen Details sind es, die alte Unterlagen so spannend machen.
Warum wir solche Dokumente digitalisieren
Viele Geräte sind längst verschwunden.
Die Bedienungsanleitungen dagegen überleben oft Jahrzehnte in Werkstätten, Kellern und Archiven.
Deshalb möchten wir in unserer Rubrik „Zwischen Lötzinn und Schaltplänen“ historische Bedienungsanleitungen, Schaltpläne und technische Dokumente digitalisieren und für Interessierte erhalten.
Nicht nur für Sammler.
Sondern auch für alle, die verstehen möchten, wie früher entwickelt, gemessen, repariert und gearbeitet wurde.
Unser Fazit
Der UNI 11e mag heute nicht zu den bekanntesten Geräten der Computergeschichte gehören.
Doch er steht stellvertretend für eine Zeit, in der Technik robust, reparierbar und für den langfristigen Einsatz gebaut wurde.
Und genau deshalb hat diese kleine Bedienungsanleitung ihren Platz in unserem Archiv gefunden – irgendwo zwischen alten Schaltplänen, Bauteilkisten und der nächsten Tasse Werkstattkaffee.
| Merkmal | Daten |
|---|---|
| Hersteller | VEB Meßtechnik Mellenbach |
| Gerätetyp | Elektronischer Vielfachmesser |
| Baujahr der vorliegenden Anleitung | 1980 |
| Messbereiche | 50 |
| Spannungsmessung | bis 1000 V |
| Strommessung | bis 1 A |
| Widerstandsmessung | bis 10 MΩ |
| Hochspannungszubehör | bis 30 kV |
| Gewicht | ca. 550 g |
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Dieser Beitrag ist Teil unserer Reihe:
Zwischen Lötzinn und Schaltplänen
Hier stellen wir historische Bedienungsanleitungen, Schaltpläne, Werkstattfunde und Technikdokumente aus vergangenen Jahrzehnten vor – damit das Wissen hinter den Geräten nicht verloren geht. 🔧📖⚡