Fundstück der Woche: UNI 12e
DDR-Messtechnik, die Geschichte schreibt
Manchmal kommen die schönsten Fundstücke nicht aus irgendeinem Lagerregal – sondern direkt von Menschen, die unsere Geschichten lesen.
So war es auch bei unserem dieswöchigen Fundstück der Woche.
Vor einiger Zeit haben wir uns in unserer Reihe „Vergessene Technik“ mit dem UNI 11e beschäftigt. Dabei ging es nicht nur um das Messgerät selbst, sondern auch um die Technik, die dahintersteckte, und um die Bedienungsanleitung eines Gerätes, das in vielen Werkstätten, Laboren und technischen Ausbildungsstätten seinen Dienst verrichtete.
Offenbar ist dieser Beitrag nicht unbemerkt geblieben.
Ein Kunde hat unseren Artikel gelesen und sich daraufhin bei uns gemeldet. Er besaß selbst noch ein UNI 12e, benötigte es inzwischen aber nicht mehr. Statt es einfach irgendwo verschwinden zu lassen, brachte er es zu uns – und überließ es uns sogar kostenfrei. Dafür möchten wir uns noch einmal herzlich bedanken.
Und genau deshalb steht es heute hier:
Unser Fundstück der Woche – der elektronische Vielfachmesser UNI 12e
Das UNI 12e stammt aus dem VEB Messtechnik Mellenbach und gehört zu den interessanten analogen elektronischen Vielfachmessern der DDR.

Optisch wirkt es heute fast schon wie ein Stück aus einer anderen technischen Welt.
Ein großes analoges Zeigerinstrument, eine fein unterteilte Spiegelskala, ein massiver Bereichswähler und die charakteristischen schwarzen Drucktasten.
Kein Display.
Keine automatische Messbereichswahl.
Kein Mikrocontroller, der dem Benutzer alles abnimmt.
Stattdessen musste man wissen, was man messen möchte, welchen Messbereich man benötigt und welche Skala abzulesen ist.
Und genau darin liegt ein Teil des Reizes dieser Geräte.
50 Messbereiche in einem Gerät
Das UNI 12e war keineswegs nur ein einfacher Spannungsprüfer.
Es verfügt über insgesamt 50 Messbereiche und konnte Gleich- und Wechselspannungen, Gleich- und Wechselströme sowie Widerstände messen.

Die dokumentierten Messbereiche reichen unter anderem von:
Gleichspannung:
30 mV bis 1.000 V
Wechselspannung:
2,5 V bis 1.000 V
Gleichstrom:
3 µA bis 1 A
Wechselstrom:
0,25 mA bis 1 A
Widerstand:
bis 10 MΩ
Damit war das UNI 12e für eine erstaunlich große Bandbreite an Messaufgaben geeignet.
Besonders interessant ist dabei der Eingangswiderstand von 10 MΩ. Für ein analoges Messgerät ist das bemerkenswert hoch und reduziert die Belastung der zu messenden Schaltung erheblich.
Analog – aber elektronisch
Der Begriff „analog“ darf bei diesem Gerät nicht mit „einfach“ verwechselt werden.
Das UNI 12e besitzt ein elektronisches Messverstärkerkonzept. In den technischen Unterlagen werden unter anderem ein Doppel-FET und ein Operationsverstärker A109 genannt.
Der Zeiger des Messwerks zeigt also nicht einfach nur direkt den Strom an, der durch eine Spule fließt.
Die Eingangssignale werden elektronisch verarbeitet und für das Messwerk aufbereitet.
Das erklärt auch, warum das UNI 12e trotz seiner klassischen Zeigeranzeige technisch deutlich moderner ist als viele ältere analoge Vielfachmesser.
Eine kleine technische Besonderheit steckt in der Stromversorgung
Hier zeigt sich besonders schön, wie sich die Entwicklung gegenüber dem Vorgänger UNI 11e weiterentwickelt hatte.
Das UNI 11e benötigte für seine elektronische Schaltung noch zwei 9-V-Blockbatterien.
Beim UNI 12e wurde das Konzept deutlich verändert.

Hier kommen lediglich zwei herkömmliche 1,5-V-Batterien zum Einsatz:
1 × R14 Babyzelle
für die Versorgung des Messverstärkers
1 × R6 Mignon
für die Widerstandsmessung
Ein interner Spannungswandler erzeugt aus der einzelnen Babyzelle die benötigten Betriebsspannungen für die Elektronik.
Für ein Messgerät dieser Zeit ist das eine ausgesprochen interessante Lösung.
Die Spiegelskala – ein kleines Detail mit großer Wirkung
Wer sich die Skala des UNI 12e genauer anschaut, erkennt einen schmalen Spiegel hinter der Skala.

Das ist kein dekoratives Element.
Die Spiegelskala soll den sogenannten Parallaxefehler reduzieren.
Beim Ablesen eines analogen Messgerätes kann der angezeigte Wert scheinbar wandern, wenn man nicht genau senkrecht auf die Skala schaut.
Beim UNI 12e kann man den Zeiger mit seinem Spiegelbild vergleichen:
Zeiger und Spiegelbild müssen sich decken.
Dann blickt man aus dem richtigen Winkel auf die Skala.
Eine erstaunlich elegante Lösung – ganz ohne digitale Anzeige.
Und wie alt ist unser Fundstück?
Beim genauen Alter muss man etwas vorsichtig sein.
Das UNI 12e wird in verschiedenen Quellen in die zweite Hälfte der 1980er Jahre eingeordnet. Radiomuseum.org führt das Modell beispielsweise mit 1987 und zeigt außerdem Exemplare mit Fertigungsangaben aus 1989 und 1990.
Damit gehört das UNI 12e eindeutig zur späten DDR-Messtechnik.
Unser konkretes Exemplar lässt sich anhand der vorliegenden Informationen nicht sicher auf ein einzelnes Herstellungsjahr festlegen.
Aber genau das macht solche Geräte interessant: Sie sind nicht einfach nur „alte Messgeräte“, sondern dokumentieren ein Stück Technikgeschichte aus einer Zeit, in der hochwertige Messtechnik in der DDR entwickelt und produziert wurde.
Mellenbach – wo DDR-Messtechnik entstand
Hinter dem UNI 12e steht der VEB Messtechnik Mellenbach (MTM).
Das Werk im Thüringer Wald entwickelte und produzierte zahlreiche Messgeräte und Messsysteme. Die Produktpalette reichte von verschiedenen Vielfachmessern bis hin zu speziellen Messgeräten für industrielle und technische Anwendungen.
Das UNI 12e gehört dabei zu einer Gerätegeneration, die zeigt, wie weit sich die elektronische Messtechnik in der DDR entwickelt hatte.
Interessant ist auch die Entwicklung innerhalb der UNI-Serie:
Vom klassischen analogen Vielfachmesser hin zu elektronisch verstärkten Messgeräten wie dem UNI 11e und schließlich dem UNI 12e.
Warum solche Geräte heute wieder interessant sind
Für einen Elektroniker, Sammler oder Technikliebhaber hat ein solches Gerät heute gleich mehrere Ebenen.
Da ist zunächst die Technik.
Dann das Design.
Dann die Geschichte des Herstellers.
Und schließlich die ganz persönliche Geschichte eines Gerätes.
Denn vielleicht hat dieses UNI 12e einmal in einer Werkstatt gestanden.
Vielleicht wurde damit eine Leiterplatte geprüft, eine Spannungsversorgung kontrolliert oder ein Fehler in einer elektronischen Schaltung gesucht.
Vielleicht hat jemand damit seine ersten Schritte in der Elektronik gemacht.
Und irgendwann landete es beim Kunden, der es viele Jahre aufbewahrte.
Heute liegt es bei uns.
Und das Interessante daran ist:
Es kam zu uns, weil unser Kunde einen Artikel über ein anderes altes Messgerät gelesen hat.
Genau so entsteht Technikgeschichte manchmal ganz nebenbei.
Vom UNI 11e zum UNI 12e – und wieder zurück zu uns
Für uns schließt sich damit ein kleiner Kreis.
Wir haben in unseren Blog "vergessene Technik" über das UNI 11e geschrieben.
Ein Leser unseres Beitrags besaß ein UNI 12e.
Er erinnerte sich an sein altes Messgerät.
Und statt es wegzuwerfen, brachte er es zu uns.
Kostenlos.
Mit den Worten, dass er es nicht mehr benötige und es bei uns besser aufgehoben sei.
Solche Momente sind für uns etwas Besonderes.
Denn genau dafür gibt es unsere Reihe „Fundstück der Woche“.
Wir möchten alte Technik nicht einfach nur zeigen.
Wir möchten ihre Geschichte erzählen.
Und vielleicht findet das eine oder andere längst vergessene Gerät dadurch wieder die Aufmerksamkeit, die es verdient.
Ein Stück vergessene Technik – aber noch lange nicht vergessen
Das UNI 12e steht heute stellvertretend für eine Generation von Messgeräten, bei denen der Benutzer noch wirklich mitdenken musste.
Bereich auswählen.
Messart bestimmen.
Skala richtig ablesen.
Messfehler vermeiden.
Und verstehen, was das Messgerät eigentlich gerade tut.
Vielleicht ist genau das der Grund, warum analoge Messgeräte auch heute noch faszinieren.
Sie zeigen nicht nur einen Messwert.
Sie zeigen Technik beim Arbeiten.
Und manchmal erzählen sie dabei sogar ihre eigene Geschichte.
Unser Fundstück der Woche:
UNI 12e – elektronischer Vielfachmesser aus dem VEB Messtechnik Mellenbach.
Ein kleines Stück DDR-Technikgeschichte, das durch einen Leser unserer „Vergessenen Technik“ den Weg zu uns gefunden hat.
Und wer weiß – vielleicht wartet irgendwo schon das nächste vergessene Stück Technik darauf, entdeckt zu werden.